Seit Anfang 20 habe ich Migräne. Sie trat plötzlich in mein Leben und veränderte so viel.

Ich war jung und hüpfte fröhlich durchs Leben. Ich befand mich mitten in meiner ersten beruflichen Entwicklungsphase, ich baute mir mit meiner ersten eigenen Wohnung mein unabhängiges und selbstständiges Leben auf.

So vieles war neu, aufregend und beängstigend zugleich. Ein großer Schritt im Leben, weg vom behüteten Elternhaus, raus in die weite Welt.

Dann kam die Migräne.

Sie krempelte nicht mein gesamtes Leben um, das muss ich gleich vorwegnehmen. Sie trat dennoch in mein Leben, als eine Erkrankung, die mich wohl mein ganzen Leben begleiten wird. In welcher Form? Das kann niemand vorhersehen…

In diesem Blogbeitrag möchte ich mit dir teilen, wie die Migräne in mein Leben trat und welche Phasen ich als Betroffene bis heute erlebt habe.

Willkommen in meinem LebenMeine erste Phase mit der Migräne

Ich war Anfang 20 und nahm zu diesem Zeitpunkt bereits seit ich 14 war die Pille. Safety first, so war das damals. Heute für mich unvorstellbar.

Jedenfalls nahm ich regelmäßig meine Pille. 21 Tage eine kleine süße rosa Perle, im Handy hatte ich den Wecker dazu eingestellt, und dann kam die siebentägige Pillenpause, in der meine Periode einsetzte. Pünktlich und kalkulierbar.

Irgendwann schlich sich jedoch am zweiten oder dritten Tag meiner Periode ein stechender Kopfschmerz ein, den ich auf der rechten Stirnseite lokalisierte. Eine Schmerztablette half. Es dauerte viele Zyklen, bis ich erkannte, dass es Migräne ist und ging damit zu meiner Gynäkologin, die dies bestätigte und sofort eine “Therapie” vorschlug.

Die Therapie: Ich sollte die Pille ohne Pause einnehmen. „Ja super, wenn es so einfach geht und ich nicht einmal meine Periode bekomme, perfekt. Die Periode stört doch eh nur und so muss ich mich nicht mehr um diese blutige Angelegenheit da unten kümmern. Und die Migräne fällt damit auch weg, ein Träumchen.“ So meine Gedanken und die Sicht auf meinen Körper.

Dies ging viele Jahre gut, bis die Migräne wieder an meine Stirn klopfte.

Jung und unbeschwert, bis zur nächsten Migräne

Hello againMeine zweite Phase mit der Migräne

Langsam schlich sich also wieder meine Migräne ein, trotz Pille und unabhängig meiner Menstruation. Demnach entschied ich mich zunächst nichts weiter dagegen zu tun und nahm meine schmerzstillenden Medikamente.

Ich und mein Migränekopf – Immer dabei

Als ich 28 Jahre alt war, tauchte in mir das Gefühl auf, dass mich die Pille von innen heraus verunreinigt. Ich fühlte mich mit einer hormonellen Behandlung plötzlich unwohl und so entschied ich, die Pille abzusetzen.

Hallo Periode, lang nicht mehr gesehen.

Relativ schnell und überraschend spielte sich ein sehr regelmäßiger Zyklus ein, allerdings mit sehr unerträglichen Menstruationsschmerzen. Das war mir allerdings egal, da ich unbedingt von der Pille weg wollte. Ich wollte rein sein, meinen Körper nichts schädliches zufügen und wer weiß, vielleicht wird dadurch auch meine Migräne verschwinden…

Ich gab mir und meinem Körper sehr viel Zeit. Das braucht es auch.

In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich meine Migräne in ein unberechenbares Wesen. Sie kam und ging wann sie wollte. Ich nahm Triptane und andere Mittelchen die helfen sollten, alerdings funktionierten bei mir nur recht starke Schmerzmittel, sonst nichts.

Ich führte ein Tagebuch und ich konnte keine Muster erkennen. Wobei, ein Muster erkannte ich: Meine Migräne bevorzugte es sich am Freitagnachmittag langsam einzuschleichen, sodass ich mein freies Wochenende mit ihr verbringen durfte. Eher selten kam sie unter der Woche, aber wenn, dann auch nach der Arbeit so gegen 17 Uhr. Pünktlich war sie ja.

Ich muss sie bekämpfenMeine dritte Phase mit der Migräne

Nachdem sich meine Migräne wieder fest in mein Leben integriert hat, sowie ihr unberechenbares Erscheinen, musste ich mich damit arrangieren. Da ich mich allerdings mit der Einnahme von Medikamenten sehr unwohl fühle, wollte ich einen neuen Weg einschlagen.

Ich versuchte meine Migräne mit Yoga, Osteopathie und ätherischen Ölen zu bekämpfen.

Die Kraft der Kriegerin in mir… oder so

Aber das Wort “Bekämpfen” beschreibt schon, das es nicht der richtige Weg sein könnte.

Obwohl ich mit meinem geliebten Yoga allein aus philosophischer Sicht nicht in den Kampf ziehen kann, war doch meine Sichtweise auf die Migräne die Falsche. Zu diesem Zeitpunkt verstand ich sie noch nicht, sie war einfach nur lästig und schmerzhaft.

Um es kurzzufassen: Ich konnte mit Yoga, Osteopathie und ätherischen Ölen meine Migräne nicht bekämpfen. Ich musste also einen neuen Weg einschlagen.

Hallo SchwesterMeine vierte Phase mit der Migräne

Langsam begann ich mich viel intensiver mit meinem Leben auseinanderzusetzen. Ich lernte mich und meinen Körper neu kennen, wobei Yoga der Samen des Ganzen war.

Mit Yoga lernte ich erst nach vielen Jahren, dass ich mir und meinem Körper gar nicht so nahe stand. Ich begann also mich mit mir zu verbinden und lernte die Sprache meines Körpers kennen. Hallo Kristin!

In diesem Prozess erkannte ich auch, was meine Migräne eigentlich ist. Ja, es ist eine neurologische Erkrankung, aber auch die hat einen Sinn und Ursprung. Meine Migräne teilt mir ziemlich laut und deutlich mit, dass ich es übertrieben habe.

Meine Migräne ist diejenige in mir, die viel besser mit mir kommunizieren kann, als andere Bereiche meines Körpers.

Ich lebe in einer rasanten Welt, ich bin aktiv, rede und denke viel, alles ist in Bewegung, alles ist voller Reize. heute stelle ich mir meine Umwelt und auch mein Innerstes wie einen Tornado vor. Immer in Bewegung, unkontrolliert und kraftvoll. Gönn ich mir Pausen? Nur wenn mein Körper von allein erschöpft ist. Nehm ich mir Zeit für mich? Für ein paar Sekunden vielleicht, denn dann kommen schon wieder neue Gedanken und Ideen, die ich direkt umsetzen oder erledigen muss.

Ich lebe ein sehr rasantes und unruhiges Leben, klar, dass mein Körper erschöpft ist und sicherlich hat er es mir auch oft genug versucht mitzuteilen, doch ich konnte nicht zuhören. Ich konnte ihn nicht zuhören, weil ich viel zu beschäftigt war, im Innern und im Außen. Also musste er die Migräne beauftragen, mich deutlich darauf hinzuweisen.

Auch wenn ich viele Jahre nicht verstehen konnte, was sie mir damit sagen wollte, hat sie mich mit ihrer Dominanz schlichtweg dazu gezwungen die Bremse zu treten. Ich konnte nichts anderes als zu Hause bleiben, mir die Decke über den Kopf zu ziehen und in die Ruhe einzutauchen.

Diese Erkenntnis änderte alles, denn dadurch war mir klar, dass ICH allein etwas ändern muss und nichts von außen etwas gegen meine Migräne machen kann.

Meine Migräne ist ein Teil von mir, sie wird immer da bleiben. Ich stell sie mir wie eine Schwester in mir vor, die dann wütend wird, wenn ich mit mir selbst nicht gut genug umgehe und mich und meinen Körper überlaste. Aufrichtige Akzeptanz ist ein wichtiger Schlüssel, um mit der Migräne besser umgehen zu können.

Meine Migräne und ichHoch lebe die Selbstwirksamkeit

Nun, zu erkennen wer sie ist und wie sie funktioniert bedeutet natürlich noch lange nicht, dass sie dadurch automatisch besänftigt ist. Die Erkenntnis ist noch lange keine Veränderung und die Veränderung ist zu Beginn definitiv kein einfacher Weg, aber ein Weg, der funktioniert.

Mir war also klar, dass ich mein Lebensstil verändern muss. Im Innern und im Außen.

Zuletzt habe ich einen sehr stressigen Job gehabt, mit Menschen um mich herum , die eine sehr starke negative Energie ausgestrahlt haben. Diese Störfaktoren musste ich definitiv aus meinem Leben entfernen. Dazu gehört viel Mut und es ist durchaus keine einfache Entscheidung, aber es ist mein Leben und mein Körper, was nur ich schützen kann.

Yoga blieb, so integrierte ich ihn noch intensiver in mein Leben. Yoga ist deutlich mehr als die Abfolge der vielen Asanas (Körperübungen), Yoga ist eine Lebenseinstellung und lässt sich ganz toll in den Alltag einflechten. Dies konnte ich, nachdem ich meine Ausbildung zur Yogalehrerin gemacht habe, denn dadurch verstand ich, wie ich Yoga leben kann.

Parallel dazu trat der Ayurveda in mein Leben, der sehr eng mit dem Yoga verbunden ist. Ja im Prinzip erklärt mir der Ayurveda, dass nur ich durch meine Selbstwirksamkeit meinen Körper und Geist fit und gesund halten kann. Sei es mit Bewegung, Ernährung und der Art wie ich arbeite und lebe. Der Ayurveda umfasst alle Lebensbereiche, sodass ich sagen kann, dass mir der Ayurveda dabei hilft, meine Migräne so ruhig wie möglich zu halten.

Neues Leben dank Yoga und Ayurveda

Yoga und Ayurveda haben mir dabei geholfen zu erkennen, was ich für mich wirklich brauche. Ich weiß was mir gut tut und was nicht. Ich weiß, dass ich die Verantwortung für mich allein übernehmen muss und, dass das auch super gut funktioniert.

Yoga und Ayurveda begleiten mich nun in meinem Leben und ich lerne fast täglich immer mehr dazu. Ich finde es so faszinierend, wie logisch auf einmal alles ist, vieles ergibt plötzlich einen Sinn und ich sehe die Themen in meinem Leben viel klarer. Yoga und Ayurveda haben mich bis hier hin gebracht und heute kann ich sagen, dass ich mich nie besser gefühlt habe. Mal sehen, was die Zukunft bringt…